Review: KBEAR Neon

KBEAR Neon Review

Der KB Ear Neon ist ein preiswerter IEM mit nur einem BA pro Seite, der hauptsächlich für audiophile Kunden entwickelt wurde. Obwohl der offizielle Name des Unternehmens KBEAR lautet, spreche ich ihn in meinem Kopf als “K.B. Ear” aus.

KB Ear ist keineswegs ein neues Unternehmen. In der Tat sind sie in der “Chi-Fi”-Kategorie sehr gut aufgenommen worden und bekannt für hohe Klangqualität in Anbetracht des Preises. Mit dem neuen Neon wird sich daran nichts ändern. Für nur rund 50 Dollar bietet der Neon allerdings nur einen einzigen Fullrange-BA pro Seite.

Diese Rezension ist etwas außerhalb meiner Komfortzone. Ich persönlich verwöhne meine Ohren schon seit einer ganzen Weile mit High-End-Geräten. Schafft es dieses preisgünstige Angebot mich zu überzeugen?

KBEAR Neon Packaging

Hardware

Fairerweise muss man sagen, dass ich bei einem Preis von 50 Dollar keine Verarbeitungsqualität auf Campfire-Niveau erwarte. Aber andererseits gibt es auch hervorragend gestaltete IEM zu diesem Preis, zum Beispiel die Final E2000. KBEAR versucht, mit einem austauschbaren und transparenten HiFi-Kabel zu beeindrucken. Aber das Design ist insgesamt leider nicht bis zum Ende durchdacht.

Neon Unboxing

Verarbeitungsqualität

Der Neon hat ein patronenförmiges Gehäuse aus gedrucktem Kunstharz. Das Harz ist nicht völlig opak und erlaubt einen Blick auf den Knowles 29689 BA-Treiber im Inneren. Derzeit ist der Neon in 3 verschiedenen Versionen erhältlich, die sich nur durch die Farbe unterscheiden. Ich zeige hier die schwarze Ausführung. Neben lilafarbenen Gehäuse gibt es auch eine rot-blaue Variante, die es einfacher macht, den linken und rechten Kanal optisch zu trennen. Das ist eine interessante Entscheidung des Herstellers, weil das Kabel austauschbar ist. Das bedeutet, dass man die linken und rechten Ohrstücke einfach austauschen kann, da der Stereokanal allein durch das Kabel bestimmt wird. Aber auch die schwarzen Gehäuse haben einen kleinen farbigen Punkt, der der Links- oder Rechtsmarkierung entspricht. Die Kanaltrennung ist bereits durch die asymmetrische Form des Kabels sehr deutlich, wohingegen die IEM selber symmetrisch sind. Eine L/R Markierung erscheint überflüssig und würde einen Austausch bei Defekt unnötig verkomplizieren.

Der Schallaustritt ist aus Metall und dort, wo sie mit dem Hauptkörper verbunden ist, gibt es keine ungleichmäßigen Spalten. Kurioserweise ist der Markenname auf der Unterseite des IEM versteckt, mit nur einem winzigen Platz für die Lasergravur auf einem Metallring. Der Schallaustritt hat ein Gitter, das verhindert, dass Schmutz ins Innere fällt.

Das Kabel

Zum einen ist das Kabel von KBEAR ausgezeichnet. Allerdings halte ich es für eine schlechte Wahl für das Neon im Besonderen. Ich weiß nicht, ob KB Ear das Kabel selbst herstellt oder es von einem OEM-Partner liefern lässt. Jedenfalls besticht das silber-transparente Kabel durch hohe Flexibilität. Es lässt sich außerdem nicht so leicht verheddern. Es gibt auch keine Probleme mit Übersprechen oder schlechter Abschirmung. Technisch gesehen, bin ich von dem Kabel ziemlich beeindruckt, vor allem wenn man den niedrigen Preis des Gesamtpakets bedenkt.

KBEAR Cable

Allerdings ist die Wahl des 2-Pin-Anschlusses im qdc-Stil sehr ungünstig. Das Patronen-Design des Neon hat nur ein winziges Gehäuse. Es würde sich so gut im Ohr verstecken. Aber der Kabelstecker ist fast so groß wie der IEM selbst und lässt den Neon so weit herausragen, dass ich das Kabel nicht einmal über meine Ohren legen kann. Die Weichheit des Kabels hilft, Mikrofonie zu verhindern, aber es wäre viel besser gewesen, wenn die Vibrationen durch den Kontakt mit dem Außenohr unterdrückt worden wären. Das war eine eher schlechte Designentscheidung, denn letztendlich kann ich den Neon nur mit dem Kabel nach unten tragen. Dabei ist der Anschluss nicht einmal rechteckig, sondern ragt schief ab und steht somit noch weiter heraus. Warum… KBEAR, warum?

Komfort

Der KBEAR Neon ist winzig! Es ist ein so kleiner IEM, dass er das Potenzial hätte – neben der Final E- und F-Serie – zu den bisher komfortabelsten Designs zu gehören. Aber das Kabel hat es leider ruiniert. Es gibt keinen Halt, keine Ohrhaken und keine Möglichkeit, sich mit diesen IEM auf die Seite zu legen. Meiner Meinung nach ist dies ein fehlerhaftes Design. Ein fest angebrachtes Kabel, das im rechten Winkel zur Seite wegginge, wäre meiner Meinung nach viel eleganter gewesen.

KBEAR Neon Fit

Hinzu kommt, dass man bei Verwendung einen Druck auf den Ohren spüren kann. Der IEM ist in sich vollständig geschlossen und verfügt über keine Lösung zur Druckentlastung. Im Vergleich zu Multi-BA-Designs sitzt der einzelne BA des Neon noch näher am Trommelfell. Das bedeutet, dass bei tiefem Einsetzen ein Überdruck entstehen kann, der den Klang komplett auslöscht! Ich konnte das Problem wiederholt reproduzieren. Das ist ein Thema, das es wert ist, zu erwähnen! Ich bin mir sicher, dass KBEAR einige Beschwerden über defekte Geräte (“kein Ton”) erhalten hat, bei denen die Benutzer einfach unerfahren waren und nicht wussten, dass sie den Druck durch Herumfummeln am IEM ablassen müssen. Dadurch leidet der Komfort.

Die mitgelieferten Ohrstöpsel sind durchschnittlich. Die mitgelieferten Größen sollten für die meisten Benutzer ausreichen. Durchschnittlich große Ohren erhalten außerdem den Bonus eines einzelnen Paars Schaumstoffaufsätze. Achtet jedoch darauf, die Ohren vorher gründlich zu reinigen! Der hellgraue Schaumstoff nimmt sehr schnell die Farbe von Ohrenschmalz an.

Trotz des vollständig geschlossenen Gehäuses ist die Isolierung nur durchschnittlich. Das mag an den Übergängen zwischen den einzelnen Teilen liegen oder daran, dass der Kunststoff recht dünn ist. Wenn ihr in Erwägung ziehen solltet, diese Kopfhörer auf der Bühne zum Monitoring zu verwenden, habe ich hoffentlich deutlich genug darauf hingewiesen, dass man Alternativen in Betracht ziehen sollte. Für das gelegentliche Hören hat die zuvor genannte Kritik natürlich weniger Einfluss.

Sound

Die Separation ist viel besser als bei den meisten dynamischen Treibern zu diesem Preis.

Der KB Ear Neon ist ein unaufdringlicher IEM. Er hat einen sehr ausgewogenen Frequenzgang mit guten Frequenzübergängen. Insgesamt klingt der Neon ziemlich natürlich, ohne das analytische “Shout”, das viele neutrale IEM oft haben. Während die Stereobreite sehr gut ist, geht die Tiefenstaffelung leider größtenteils verloren, was zu einer flachen Klangbühne führt. Für das Monitoring ist die Abbildung (Instrumentenplatzierung) immer noch gut genug, aber man sollte sich wahrscheinlich nicht auf den Neon für professionelle Arbeit verlassen. Letztendlich gibt es wenig überraschende Einschränkungen in Bezug auf die Auflösung im Vergleich zu teureren IEMs. Aber in Anbetracht des sehr günstigen Preises, ist dies ein sehr guter Inear, der vor allem für preisbewusste Audiophile gedacht ist.

Tuning

Es besteht kein Zweifel, dass bei der Abstimmung des KB Ear Neon mit großer Sorgfalt vorgegangen wurde. Der Bass ist ziemlich flach mit einer leichten Tendenz zum Oberbass. Die mittleren Frequenzen sind vorbildlich neutral. Im oberen Bereich ist die Höhenwiedergabe so ziemlich das, was man von einem Single-BA erwartet, mit Abstrichen in Bezug auf die Reichweite und eine ausgeprägte Resonanz.

Bass

Um es gleich vorweg zu nehmen: Für “Bassheads” ist der KB Ear Neon nichts. Das liegt vor allem an dem fehlenden Tiefgang. Bei ganz tiefen Tönen schafft es der Neon nicht, Druck zu erzeugen und er hat einen stark beschränkten Headroom. Ich empfinde dies jedoch nicht als Problem. Ich höre einen leichtgewichtigen Klang, der agil wirkt und einen relativ guten Punch bietet. Dazu kommt noch eine ordentliche Textur. Das sind die Begriffe, die man ankreuzen möchte, wenn man einen audiophilen IEM entwickelt. In dieser Hinsicht ist KB Ear erfolgreich.

Mitten

Die Abstimmung der mittleren Frequenzen des Neon ist vorbildlic. Dennoch kämpft der einzelne Treiber damit, ein realistisches Klangbild zu reproduzieren. Leider geht die Dimensionalität des Stereobildes verloren und die Präsentation ist sehr flach und trocken. Das Timbre ist eigentlich großartig, aber Stimmen erwecken nicht wirklich zu Leben, da der Neon Schwierigkeiten hat, mehrere Ebenen auf der Tonspur zu trennen. Die Einschränkungen sind in Anbetracht des Preises absolut akzeptabel, und die Separation ist viel besser als bei den meisten dynamischen Treibern zu diesem Preis.

Höhen

Es gibt ein starkes Vorurteil gegenüber Balanced Armature-Treibern, dass sie einzeln bei Abdeckung der gesamten Frequenzbandbreite versagen. Diesem Vorurteil hat der Neon nichts entgegenzuwirken. Im Gegenteil, den Höhen des Neon fehlt es spürbar an Luft. Abgesehen von den Einschränkungen, die sich aus der Frequenzbandbreite ergeben, hat sich KB Ear jedoch gut geschlagen. Es gibt eine gute Definition, aber keine Zischlaute. Der Neon ist immer noch ein sehr geschlossen klingender IEM, aber in Anbetracht der natürlichen Einschränkungen empfinde ich Kritik nicht wirklich als angebracht.

KB Ear Neon

Fazit

Dies ist ein sehr guter IEM, der besonders für preisbewusste Audiophile gedacht ist.

Wenn für euch die Klangqualität an erster Stelle steht, bietet der KB Ear Neon ein unglaubliches Angebot zu diesem Preis. Die Abstimmung ist hervorragend, wenn man die technischen Einschränkungen eines einzelnen BA berücksichtigt. Die Detailwiedergabe übertrifft die von ähnlich teuren dynamischen Treibern. Was die Verarbeitungsqualität und das Produktdesign betrifft, so handelt es sich nach wie vor um ein “Chi-Fi”-Produkt. Der Kabelanschluss ist meiner Meinung nach eine nicht nachvollziehbare Design-Entscheidung. Wer jedoch nur $50 für einen neutral klingenden IEM ausgeben kann/möchte, für den sollte der KBEAR Neon dennoch interessant sein.